27. - 28.09.1999 - Auf dem Weg in die Mongolei, Schmuggler an Bord

Meine Reisegenossen hatten sich über einen Bericht in der Zeitschrift GEO gewundert, in der die Reise als unangenehm und gefährlich beschrieben wurde. Wir hatten im Zug ab Moskau mit Sina, unserer Schaffnerein ganz andere Erfahrungen gemacht. Aber bei der Fahrt in die Mongolei wurde uns einiges klar. Kaum hatten wir uns in unserem Abteil eingerichtet, erschien eine europäische Touristin und bat darum, bei uns mitfahren zu dürfen. In ihrem Abteil wäre gar kein Platz mehr, ihr Mitreisender hätte alles mit seinem Gepäck vollgestellt. Von wegen Gepäck, alles Schmuggelgut. Den Zug von Ulan-Ude nach Ulan-Bataar muß man einfach gesehen haben. Die Waggons sind voller Schmuggelware. Sehr beliebt scheinen Wodka und Lipton Tee zu sein. Vor der mogolischen Grenze herrscht  geschäftiges Treiben. Schließlich muß das ganze Schmuggelgut so verteilt werden, daß an der Grenze alle nur die zulässige Menge einer Ware dabei hat. Die Zöllner haben der Zug aber noch nicht verlassen, da werden alle Waren zu ihrem ursprünglichen Besitzer zurückgebracht. Wieviel Schmuggelgut an Bord ist, hängt von der Besatzung des Zuges ab. Wenn das Personal mongolisch ist, können die Passagiere gegen einen Aufpreis so viel Gepäck mitbringen, wie sie möchten. Das russische Personal hingegen läßt nur die vorgeschriebene Menge ca. 30 kg zu.

An der Grenze

Mitten in der Nacht kommen wir an der Grenze in Nauschki an. Hier gibt es einen Nachtmarkt und ein Postamt mit Telefon, das auch nachts geöffnet hat.

Die Formalitäten des Grenzübertritts sind ziemlich umständlich, das bin ich als EU-Bürgerin gar nicht mehr gewöhnt. Zuerst werden an der russischen Grenze alle Pässe eingesammelt. Dann können wir erst mal aussteigen und noch etwas einkaufen und telefonieren.

Das Telefonieren ist ziemlich witzig, denn die Gespräche werden  handvermittelt und die Postangestellte meldet sich bei dem Gesprächspartner in Deutschland auf russisch. Der weiß erstmal nicht was los ist und legt gleich wieder auf. Wenn man in der Telefonzelle steht, also schnell den Hörer abnehmen und etwas auf deutsch sagen.

Dann werden wir zurückgerufen und müssen die Zollerklärung ausfüllen. (Hallo Manfred, wenn Du das jemals liest, Deine Zollerklärung war die schönste!)

Anschließend wird der ganze Zug sehr genau durchsucht. Bei uns schauten zwei Zöllnerinnen / Soldatinnen?, eine davon im Tarnanzug in jedem Fach nach, ob wir etwas oder jemanden über die Grenze schmuggeln. Spätestens hier war ich  heilfroh, daß wir doch kein fremdes Gepäck in unser Abteil genommen hatten. Nebenan bei einem der Schmuggler wurde das ganze Abteil, einschließlich Gepäck auseinandergenommen.

Eine kurze Fahrtstrecke weiter sind wir an der mongolischen Grenze und hier wird es dann richtig interessant. Ein Zöllner in Uniform betritt unser Abteil und kontrolliert die Pässe. Soweit alles wie gehabt. Aber dann zieht er Formulare aus der Tasche und brummelt etwas von Tourismus Tax (Steuer) und 10 Dollar. Auf den Formularen stand dann aber Life Insurance  Ja, Du hast richtig gelesen, er hat versucht, uns eine Lebensversicherung anzudrehen. Glücklicherweise waren wir durch unseren Reiseleiter vorgewarnt und haben auf diese speziell mongolische Form der Versicherung verzichtet.

28. - 30.09.1999 - Ulaan Baatar, die Hauptstadt

Bei der Zugfahrt nach Ulaan Baatar, war ich völlig beeindruckt von der Landschaft. Die Stadt liegt auf einer Hochebene, ca. 1.500 m hoch und ist von schneebedeckten Bergen umgeben. Vor zwei Wochen lag hier noch so viel Schnee, dass man teilweise mit dem Auto nicht mehr durch kam. Leider verpasst! Apropos Auto, gleich am Bahnhof habe ich ein Auto in Betrieb gesehen, dass noch mit einer Handkurbel gestartet wird.

Die Stadt selbst ist sehr ernüchternd. Kraftwerke, die die Abgase scheinbar ungefiltert in die Luft blasen bestimmen den Blick von den Bergen auf die Stadt.

Der Treffpunkt für die Touristen scheint hier das Postamt zu sein. Es ist daher ein guter Anlaufpunkt, wenn man Informationen von anderen Reisenden will.


Ein Besuch im Naturkundemuseum ist wirklich empfehlenswert. Es ist zwar für  unsere Begriffe altmodisch gestaltet, aber allein die Saurierfunde sind sehenswert. Da geht ein Kindheitstraum in Erfüllung, einmal den Saurier streicheln, habe ich gemacht, als gerade die Aufsicht nicht hinsah

Natur pur

Etwa 70 km von Ulaan Baatar entfernt liegt das Naturschutzgebiet Terelj. Hier wächst das Edelweiß auf der Wiese wie bei uns die Gänseblümchen

Hier sind wir auf dem Weg in ein Jurtenrestaurant im Naturschutzgebiet, das nur über eine unbefestigte Straße erreicht werden kann. Natürlich gibt es hier keinen Strom oder fließendes Wasser. Deshalb Solaranlage auf der Jurte und Plumpsklo.