26. - 27.09.1999 - Ulan Ude, das “rote Tor”, Hauptstadt Burjatiens

Burjatien ist einer der GUS-Staaten. Seine Hauptstadt Ulan-Ude liegt an der Transsibstrecke.
Mit 3.513 m² ist Burjatien etwa so groß wie Deutschland. Hier lebt eine Vielzahl von Volksstämmen, wie Russen, Ukrainer und Tartaren und in  Ulan-Ude wird der mongolische Einfluss deutlich.
Die Religionen Buddhismus, Orthodoxe, Altgläubige und Schamanen leben hier friedlich zusammen. Beim Schamanismus handelt es sich um eine alte Religion, die glaubt, die Natur wäre von  Geistern beseelt und jeder Teil der Welt hätte seine eigenen Schutzgeister. So sahen wir ein Ritual, bei dem den Schutzgeistern der Stadt Ulan-Ude Wodka und Milch aus dem Tetra-Pack geopfert wurde. Auf meine Frage, wie sich Schamanismus mit moderner Wissenschaft verträgt, erklärte mir unser Reiseführer: “Alles was die Wissenschaft erklären kann, ist Sache der Wissenschaftler und um den Rest kümmern sich die Schamanen.”; praktische Leute! Hier siehst Du Aufnahmen der Dazan Klosteranlage, dem größten buddhistischen Kloster in Rußland Wir hatten Glück mit unserem örtlichen Reiseleiter Oleg, der uns auch etwas über die Probleme und Träume der Bevölkerung erzählt hat. Hier hat die Zentralisierung der alten Regimes auch heute noch unangenehme Folgen für das tägliche Leben. So wird z.B. die ganze Stadt zentral beheizt. Das bedeutet, wenn die Heizung ausfällt, dann bei allen. Im Winter 1998 war ganz Ulan-Ude für 17 Tage ohne Heizung und Strom, wie im Mittelalter meinte Oleg.
Noch ein Wort zu den Temperaturen;
In meinem Hotelzimmer gab es einen Kühlschrank, gar nicht nötig, es war auch so eiskalt. Auf der ganzen Reise hatte ich nur sehr selten ein geheiztes Zimmer. Ich habe immer problemlos eine  zusätzliche Decke bekommen. Aber trotzdem konnte ich manchmal nicht einschlafen, weil meine Zähne so laut klapperten. Dann war ich froh, daß ich noch meinen Schlafsack nachrüsten konnte. Bei uns wird im Oktober normalerweise schon geheizt, aber ich glaube, die Leute haben hier Frostschutzmittel im Blut.

Eigens für unsere kleine Reisegruppe wurde eine Folkloreveranstaltung mit Volkstänzen und Gesang im Freien organisiert. In dieser Atmosphäre war das ein schönes Erlebnis, ganz anders als die Touristenveranstaltungen normalerweise. Außderm bestand die Gruppe aus echten Könnern, die sonst beim Staatsbalett auftreten.
Anschließend gab es ein Picknick, natürlich auch unter freiem Himmel. Zwischenzeitlich war die Sonne untergegangen und es wurde richtig stimmungsvoll, aber nicht lange, denn die Kälte ließ sich nur mit Wodka und heißer Suppe ertragen.